Statistiker/ Data-Scientist Lohngefälle von International nach Deutschland

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consuli
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Statistiker/ Data-Scientist Lohngefälle von International nach Deutschland

Beitrag von consuli » Mo Mai 21, 2018 1:09 pm

Mir ist schon vor geraumer Zeit aufgefallen, dass Statistiker, die neuerdings Data-Scientist heißen, International viel mehr verdienen als in Deutschland.

Z.B. bietet eine (kleine?) amerikanische Versicherung in Wiskonsin, USA, für die Position eines Chief Data Scientists 105''000 bis 175'000 USD im Jahr + Benefits. Ich weiß, dass für Chief Data Scientists bei Globalen Versicherungsplayern und für Chief Data Scientists im quantitativen Investing bei Fonds und Großbanken bis zu 250'000 USD gezahlt wird. Allerdings sind diese Positionen i.d.R. der Art, dass neben statistischen Know How auch Software-Implementierungs-Know-How für das statistische Modell auf dem operativen Anwendungssystem verlangt wird.

In Deutschland hat man aber schon Mühe im Angestelltenverhältnis über 60'000 EUR hinaus zu kommen.

Wieso ist das eigentlich so? Wachsen die Statistiker in Deutschalnd auf den Bäumen? Oder wird deren Kapazität und Nutzen in Deutschland bisher einfach nicht erkannt?

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EDi
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Re: Statistiker/ Data-Scientist Lohngefälle von International nach Deutschland

Beitrag von EDi » Mo Mai 21, 2018 2:42 pm

Naja in den USA zahlst du auch 100+ kröten im Monat für Internet. Wenn die Stelle dann noch in einer teuren Stadt ist...
Dann wirken diese absoluten Zahlen bei weitem nicht mehr so hoch...
Bitte immer ein reproduzierbares Minimalbeispiel angeben. Meinungen gehören mir und geben nicht die meines Brötchengebers wieder.

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consuli
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Re: Statistiker/ Data-Scientist Lohngefälle von International nach Deutschland

Beitrag von consuli » Mo Mai 21, 2018 5:07 pm

Nach der OECD Kaufkraftparitäten-Tabelle betragen die Lebenshaltungskosten in den USA 98% derjenigen in Deutschland (insgesamt 2% günstiger). Es mag durchaus sein, dass einzelne Güter (Internet) teurer sind, und andere dafür günstiger. Aber der Gesamtwarenkorb der Statistik kostet in den USA 98% dessen, was der in Deutschland kostet. Das kann den großen Lohnunterschied eigentlich nicht erklären.

Vielleicht sind die ganzen Asylbewerber insgeheim alle Statistiker? ;)

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bigben
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Re: Statistiker/ Data-Scientist Lohngefälle von International nach Deutschland

Beitrag von bigben » Mo Mai 21, 2018 9:41 pm

Man wird dennoch die Zahlen etwas für Rentenversicherung, Kündigungsmöglichkeiten und -fristen, Pflegeversicherung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Berufliche Unfallversicherung und dergleichen korrigieren müssen, die jeweils im Detail anders geregelt sein werden als bei uns. Auch muss man in den USA sicher berücksichtigen, dass die Leute Ihre sauteuren Studiengebühren zurückzahlen müssen, wo unsere Universitäten überwiegend kostenlos sind. Bei 10 % Reisezeit würde man in D wohl über eine Dienstwagen verhandeln - keine Ahnung, wie die Amis das machen. Andererseits ist die Frage, wie gut die Bezahlung für die entsprechende Stelle in Deutschland wohl wäre. Da wären dann auch Bonuszahlungen etc. auszuhandeln, so dass das so einfach wahrscheinlich nicht zu quantifizieren ist. Dafür können Deine Kinder hier kostenlos in eine gute Schule gehen - dort brauchst Du dafür ein höheres Einkommen.

Am Ende wird man aber wohl doch zu dem Ergebnis kommen, dass die Spreizung zwischen arm und reich in den USA größer ist als bei uns, und diese Gehälter gehören zu diesem generellen Unterschied.

LG,
Bernhard
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consuli
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Re: Statistiker/ Data-Scientist Lohngefälle von International nach Deutschland

Beitrag von consuli » Mo Mai 21, 2018 11:21 pm

bigben hat geschrieben:
Mo Mai 21, 2018 9:41 pm
Auch muss man in den USA sicher berücksichtigen, dass die Leute Ihre sauteuren Studiengebühren zurückzahlen müssen, wo unsere Universitäten überwiegend kostenlos sind.
Ich glaube, das ist einer der Gründe. Wenn man das Studium selbst vorfinanzieren muss, hat man weniger Interesse an einem schwierigen Studienfach wie Mathematik oder Statistik. In der Schweiz ist das ähnlich. Auch dort gibt es sehr hohe Studienkosten (hauptsächlich durch die Lebenshaltung).

Aber vor allem gehen in der Schweiz nur 15% bis 20% aufs Gymnasium (Maturaquote). In den USA ist es glaube ich ähnlich. Auch dort erwerben nur wenige Schüler die Hochschulreife (Collegeabschluss). Ich glaube, auch in Großbritanien ist es so. Vermutlich deshalb verdient man als Akademiker in solchen Ländern besonders gut, insbesondere in anspruchsvollen Studiengängen wie Mathematik und Statistik (jetzt ist mir wieder eingefallen).

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EDi
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Re: Statistiker/ Data-Scientist Lohngefälle von International nach Deutschland

Beitrag von EDi » Mo Mai 21, 2018 11:26 pm

Nach der OECD Kaufkraftparitäten-Tabelle betragen die Lebenshaltungskosten in den USA 98% derjenigen in Deutschland (insgesamt 2% günstiger).
Der Big-Mac-Index ist ~25% höher. Man kann das IMO nicht direkt vergleichen...
Aber falls jemand damnächst sich irgendwo bewirbt, kann er ja mal die 250k ins Rennen werfen und berichten...
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Re: Statistiker/ Data-Scientist Lohngefälle von International nach Deutschland

Beitrag von consuli » Mo Mai 21, 2018 11:46 pm

EDi hat geschrieben:
Mo Mai 21, 2018 11:26 pm
Aber falls jemand damnächst sich irgendwo bewirbt, kann er ja mal die 250k ins Rennen werfen und berichten...
Wie gesagt, nur bei Chief-Pricing-Aktuaren von Global-Versicherungsplayern (in USA, UK, CH) und Trading-Algorithmen-Designern bei Fonds und Großbanken (in USA, UK, CH) gibt es so viel.

Beim Pricing von Versicherungen versucht jede Versicherung für jeden Kunden genau die passende Risikoprämie zu berechnen. Wenn Dein eigener Tarif zu flach ist - namentlich zu wenig aufgespreizt nach den erwarteten Schäden - dann zieht Dir die Konkurrenz die guten Risiken (die in Deinem eigenen Tarif zu teuer bepreist werden) aus Deinem Portfolio raus, und die schlechten (unterpreisten) Risiken bleiben bei Dir und die Versicherung geht langfristig pleite. Deshalb ist das ein regelrechter Tarifkrieg zwischen Versicherungen, bei dem sie sich gegenseitig mit Bots die Tarife abfragen (und solche Bot-Abfragen versuchen zu blocken). 2% Modell-R^2 mehr oder weniger machen auf einem 500'000'000 Potfolio dann schnell 10'000'000 Umsatz mehr oder weniger, die zu 30% direkt in den Gewinn gehen. Deshalb werben sie sich regelmäßig die Versicherungsmathematiker/ Statistiker/ Data-Scientists gegenseitig ab. So erklären sich solche Löhne.

An der Börse ist das - bekannter Maßen - genauso. Wer auf einen bestimmten Zeithorizont den zukünftigen Preis einer Aktie, Option, usw. am besten kennt, macht die Performance. Die anderen gucken in die Röhre/ machen Verlust.

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Re: Statistiker/ Data-Scientist Lohngefälle von International nach Deutschland

Beitrag von student » Di Mai 22, 2018 7:35 am

Hallo Consuli,

ich habe auch häufig mit US-Bürgern zu tun und hier kann ich mich Bigben nur anschließen. Die Amis müssen alles was mit Absicherung oder Bildung auf entsprechendem Niveau zu tun hat, selber bezahlen. Anderseits habe ich außer in Indien nur noch in den USA Bettler an großen Straßenkreuzungen gesehen...

Nix für mich....
Viele Grüße,
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Re: Statistiker/ Data-Scientist Lohngefälle von International nach Deutschland

Beitrag von consuli » Di Mai 22, 2018 11:12 am

Aber interessant ist ne 1/4 Million pro Jahr trotzdem, oder nicht?

Nur damit keine falschen Vorstellungen aufkommen, wie leicht man als Data-Scientist im Ausland eine 1/4 Million pro Jahr verdient. Ein Chief Data-Scientist oder Chief-Pricing-Aktuar einer Verischerung muss in etwa folgendes leisten:
  • Ein Prognosemodel der Schäden mit nah-maximaler Erklärungsgüte (, die ein tiefes neuronales Netz liefern würde),
  • das gleichzeitig ähnlich gut verständlich/ plausibilisierbar wie eine Regressionsformel ist (y= b0 + b1*x1+ ....+ bn*xn),
  • und weiterhin zusätzlich das Kundenwechselverhalten integrieren kann.
  • Gleichzeitig wird auch noch ein Cross-Selling-Modell benötigt, um die erwarteten Verkäufe anderer Versicherungsprodukte abzuschätzen.
  • Wenn es cutting-edge-top gemacht werden soll (nur bei echten Big Playern wie Allianz, Axa, Metlife, Prudential, Aviva, Zurich, ...) gibt es auch noch ein Conjoint-Modell zur Messung der Kundenzahlungsbereitschaften für die einzelnen Produktkomponenten.

Das Schadenmodell muss deshalb so gut verständlich und plausibilisierbar sein, weil man den neuen Tarif sonst nicht im oberen Management durchgewunken bekommt, wenn sie ihn nicht verstehen. Sonst würde man quasi einen Rennwagen mit durchdrehenden Reifen produzieren.

Und überhaupt bastelt man als Chief Data-Scientist eigentlich kaum noch an Modellen und Daten herum, sondern erklärt nur anderen, wie man es in einer guten Praxis macht. Stattdessen produziert man nur noch Powerpoint-Folien für Management Meetings, konferenzt und setzt sich mit Management-Intrigen auseinander. Weshalb einem der Job als Statistiker keinen Spaß mehr macht.

Ich hoffe, der grobe Einblick war kurzweilig.

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Re: Statistiker/ Data-Scientist Lohngefälle von International nach Deutschland

Beitrag von consuli » Di Mai 22, 2018 11:53 am

Es gibt aber auch andere Statistiker/ Data-Scientist Jobs, die im nahen Ausland rund 2 bis 3 Mal so hoch dotiert sind, wie in Deutschland. Z.B. der hier:

Machine Learning Researcher (Times Series/ Deep Learning in Financial Market, 80'000 bis 150'000 £)

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